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weiter lesen Historische Wahrheit oder Legende?

├ťber 600 M├Ądchen soll sie get├Âtet haben, um sich in deren Blut baden zu k├Ânnen, um so ewige Jugend zu erlangen.

Erzebet Bathory Erzebet Bathory lebte von 1560 bis 1614. Die Familie Bathory ist ein f├╝rstliches Geschlecht aus Sieben-b├╝rgen, das im 15. Jahrhundert in Ungarn heimisch wurde. Erzebets Bruder Stephan Bathory war K├Ânig von Polen.

Erzebet Bathory wird immer wieder in Verbindung mit der Legende Graf Draculas gebracht. Tats├Ąchlich gibt es Zusammenh├Ąnge zwischen der Familie Bathory und Dracula. Der m├Ąchtigste Vorfahr von Erzebet, F├╝rst Stephan Bathory, half Dracula 1476 mit seinen Truppen den walachischen Thron zur├╝ckzuerobern und zu Erzebets Lebzeiten ging ein wichtiges Lehnsgut, das einst F├╝rst Dracula geh├Ârte, in Erzebets Besitz ├╝ber. Andreas Varesi geht in seinem historischen Roman "Das Geheimnis der Bathory" (Facility Management and Publishing Dresden Limited 2005) sogar soweit zu vermuten, dass Erzebet dieses Gut der Familie Dragul auch zu dem Zweck erworben hat, weil sie dort das Geheimnis f├╝r die verj├╝ngende Kraft des Blutes f├╝r den menschlichen Organismus vermutete.

Die Aufzeichnungen des Jesuitenpaters Laszlo Turoczi von 1742 (Ungaria suis cum regibus data, vgl. Farin, 2008: 365) geh├Âren zu den ersten in einer langen Reihe von Texten ├╝ber Erzebet Bathory. Viele der nachfolgenden Autoren beriefen sich auf Turoczi und ├╝bernahmen die Aussage der "gottlosen Blutb├Ąder" und dass Erzebet Bathory sich aus fehlgeleiteter weiblicher Eitelkeit darin badete, um sich sch├Âner zu f├╝hlen (vgl. Farin 2008: 29). Es dauerte nicht lange, bis aus Turoczis Aussage eine Tatsache geworden war, es findet sich in der Folge kaum ein Text, auch wissenschaftlich, ohne den Hinweis auf die Blutb├Ąder. Wie die Bathory das Blut gewann, wie sie sich damit wusch und darin badete, wird immer ausf├╝hrlicher beschrieben und gipfelt schlie├člich in der Phantasie der eigens daf├╝r konstruierten Eisernen Jungfrau als "Blutpresse".

Ferdinand Strobl Edler von Ravelsberg beschreibt in seinem 1894 ver├Âffentlichten Buch "Die Blutgr├Ąfin, Ein Sitten- und Characterbild" die Sage um Erzebet Bathory mit folgenden Worten: "Eine vornehme Dame, ein stolzes Weib dessen hohe Stirn viel Intelligenz verr├Ąt. Eine Kopfhaube verbirgt dem Beschauer das wallende schwarze Haar. Des morgens wurde dasselbe sorgsam gek├Ąmmt. Die frisierende Zofe musste aber besonders behutsam sein, weil die Herrin das Zausen und Rei├čen absolut nicht vertragen konnte. Geschah die Ungeschicklichkeit dennoch, so setzte es Maulschellen ab, da die Gr├Ąfin sehr empfindlich war. Einmal schlug sie so derbe zu, dass das Kammerm├Ądchen aus Mund und Nase zu bluten begann. Dabei war ein Tropfen Blutes auf die z├╝chtigende Hand gefallen. Mit Ekel und Widerwillen griff die Gr├Ąfin nach einem Tuch. Zu Ihrem gr├Â├čten Erstaunen jedoch bemerkte sie, dass das M├Ądchen unbeabsichtigt beigetragen hatte den Teint zu verbessern. Augenblicklich blitzte in der hohen Stirn ein entsetzlicher Gedanke auf. Der alternde K├Ârper musste gewiss blendend wei├č, schimmernd wie Alabaster werden, wenn mehr Menschenblut herbeigeschafft wurde. Man will wissen, dass zu diesem Zwecke eine 'eiserne Jungfrau' in Funktion gesetzt wurde. W├Ąhrend die Zofe, von tausend Stahlspitzen durchbohrt, das Leben aushauchte, sa├č die Herrin in einer Badewanne, in welche das warme Blut hinabrieselte. In der Folge fand das Experiment seine Wiederholung, sooft die Gr├Ąfin zu bemerken glaubte, dass der Teint einer Auffrischung bed├╝rfe" (in Farin 2008: 17).

Soweit die Legende. In den Verh├Ârprotokollen und Zeugenaussagen des Prozesses um Erzebet Bathory wird jedoch mit keinem Wort erw├Ąhnt, dass sie Blutb├Ąder genommen h├Ątte. Es ist von Qu├Ąlereien die Rede, wie Schlagen mit einem Stock, ├ťbergie├čen mit kaltem Wasser, Stechen mit Nadeln und Messern, Aufschneiden mit einer Schere, Verbrennen mit gl├╝hendem Eisen usw. Viele der Opfer wurden bis zum Tode gequ├Ąlt - sowohl von Erzebet Bathory selbst als auch von ihren Bediensteten. Die Angaben ├╝ber die Zahl der Opfer schwanken in den Protokollen zwischen 30 und 80, ein Zeuge sprach von 650 und beruft sich dabei auf das Tagebuch der Erzebet Bathory, in das alle Opfer eingetragen worden seien. Auch in Bezug auf den Ort der Folterungen klaffen Legende und Zeugenaussagen auseinander. Die Legende rankt sich um einen einzigen Ort: die Burg Cachtice mit ihren labyrinthischen G├Ąngen und Gew├Âlben. Erzebet Bathory qu├Ąlte ihre Opfer laut Prozessakten allerdings in allen ihren Burgen und Schl├Âssern und auch auf Reisen (vgl. Farin 2008:67 ff.).

Das Gericht verurteilte zwei Dienerinnen und Mitt├Ąterinnen der Bathory zum Tod auf dem Scheiterhaufen, nachdem ihnen zuvor die H├Ąnde abgehackt wurden. Ein weiterer Diener wurde enthauptet. Erzebet Bathory selbst wurde 1611 zu lebensl├Ąnglicher Gefangenschaft auf ihrem Schloss verurteilt, in dem sie 1614 starb.

Quellenangabe:
Michael Farin (2008): Heroine des Grauens. Elisabeth Bathory. Kirchheim, M├╝nchen
Andreas Varesi (2005): Das Geheimnis der Bathory, Facility Management and Publishing Dresden Limited

weiter lesen Ein Gespr├Ąch mit Julie Delpy

Julie Delpy ist DIE GRAEFIN

Wie lange spielen Sie schon mit dem Gedanken, das Leben der Erzebet Bathory zu verfilmen?

Vor etwa acht Jahren fing ich an, mir erste Notizen zu machen im Hinblick auf einen m├Âglichen Film. Die Figur selbst kannte ich nat├╝rlich schon l├Ąnger, aber eher fl├╝chtig. Je mehr ich ├╝ber sie las, desto mehr faszinierten mich die Bathory und ihre ins Mythische ├╝bersteigerte Angst vor dem ├älterwerden. Dieses Symbolhafte am Universum der Bathory hat mich begeistert. Und dass vieles von dem, was sich an Geschichten um sie herum rankt, eigentlich erst im 19. Jahrhundert erfunden wurde, lange nach ihrem Tod. Wie ihre Legende sich im Laufe der Zeit ver├Ąndert hat und immer umfangreicher wurde, das interessierte mich irgendwann fast noch mehr als ihre wirkliche Vita. Deshalb habe ich in meinem Film versucht, beides miteinander zu verbinden: die Legende und die wahre Geschichte dieser Frau.

Dient Ihnen die Geschichte der Bathory vielleicht auch als Vehikel f├╝r eine eigene Botschaft: als Abrechnung mit dem gegenw├Ąrtigen Sch├Ânheitswahn und Botox-Boom?

Ich will mich in diesem Film nicht ├╝ber die Verwendung von Botox lustig machen, auch wenn ein zeitnahes Element in dem Umstand steckt, dass das ├älterwerden bei Frauen mit ├ängsten verbunden ist. Ich pers├Ânlich f├╝rchte mich nicht vor dem ├älterwerden, war aber schon als Kind von diesem Vorgang fasziniert. Es geht eigentlich auch mehr um das "Verrotten". Der Film dreht sich nicht um eine Frau, die ├Ąlter wird und deshalb den Verstand verliert. Es ist der Verlust des Geliebtwerdens, der sie in den Wahnsinn treibt und dazu noch die Angst vor dem Tod, vor dem Verrotten. Das ist etwas, was ich schon eher nachempfinden kann, diese Angst vor dem Tod und vor dem Verlust der Liebe. Ich glaube, ich genie├če das ├älterwerden, weil ich mir sage, ├Ąlter auszuschauen bedeutet auch, dass man am Leben geblieben ist. Wenn ich alt bin, bin ich wenigstens noch nicht tot. Liebeskummer kann ich grunds├Ątzlich nachvollziehen und auch verstehen, dass man deswegen durchdreht. An gebrochenem Herzen zu sterben mag aus der Mode sein, aber mir gef├Ąllt der Gedanke.

Ist die Bathory f├╝r Sie die erste Serienm├Ârderin der Geschichte?

Zumindest glaube ich, dass es ihr, wie den meisten Adeligen ihrer Zeit, nicht besonders schwer fiel zu t├Âten. Damals gen├╝gte schon der geringste Vorwand. Sie erscheint mir wie eine weibliche Version von Gilles de Rais, der die Sage von K├Ânig Blaubart inspirierte und meines Erachtens, genau wie Erzebet, d├Ąmonisiert wurde. Was daran liegt, dass Geschichte in der Regel von den Siegern geschrieben wird und Sieger nicht unbedingt ein Interesse an der Wahrheit haben. In der Geschichte haben M├Ąnner immer wieder Frauen von der Macht ferngehalten, indem sie auf Beispiele wie die Bathory verwiesen, oder behaupteten, Frauen seien zu oberfl├Ąchlich, zu verr├╝ckt, oder gar zu b├Âse, um zu herrschen. Man denke nur an die Hexenverfolgungen. Die echte Bathory war wohl sehr r├╝cksichtslos und hat vermutlich Viele, die ihr nicht gehorchten, t├Âten lassen. Einige Adelige k├Ânnten die Vorf├Ąlle aber auch aufgebauscht haben, um sie loszuwerden, damit einer ihrer entfernten Cousins den Besitz ├╝bernehmen konnte. Viele waren gegen sie, weil sie so m├Ąchtig war. Auch dieser Aspekt scheint mir interessant.
Zur Vorbereitung las ich sehr viel ├╝ber die Bathory, allerdings keine fiktiven Texte, sondern alte Dokumente und Prozessakten, die man zum Teil extra f├╝r mich ├╝bersetzt hat. Ich machte mich mit ihrer Biografie vertraut und damit, auf welche Weise sie nachfolgenden Generationen als Inspiration diente, etwa Bram Stoker f├╝r seinen Roman "Dracula". Auf den Gem├Ąlden, die es von ihr gibt, sieht sie sehr osteurop├Ąisch aus, gekleidet im ungarischen Stil ihrer Zeit. Mein Kost├╝mbildner und ich entschieden allerdings, uns nicht ganz so sklavisch an die Realit├Ąt zu halten. Denn die Kleidung der Bathory wirkt nicht sehr dramatisch. Mir schwebte etwas vor, das mehr an den nordeurop├Ąischen Stil erinnern sollte, strenge Kost├╝me mit protestantischem Look. Ob sie im Film genau die Art von Hut tr├Ągt, die man im Ungarn des 16. Jahrhunderts trug, interessierte mich weniger, als einen stimmigen visuellen Ausdruck zu finden.

Ist Ihnen die Bathory eigentlich sympathisch, oder macht sie Ihnen wom├Âglich gar Angst?

Ich muss zugeben, dass sie keine besonders sympathische Figur ist. Aber beim Drehbuchschreiben neige ich grunds├Ątzlich dazu, eher unsympathische Figuren zu entwerfen. Ich bin mit den Filmen der 60er und 70er Jahre aufgewachsen, als selbst Hollywood es wagte, Helden zu pr├Ąsentieren, die nicht unbedingt nette Menschen sind. Etwa in DER PATE oder TAXI DRIVER, oder nehmen wir all die Kerle aus den Filmen der Nouvelle Vague oder den jungen Mann aus Kieslowskis DU SOLLST NICHT T├ľTEN, der grundlos einen Taxifahrer ermordet und den man trotzdem bis zum Ende des Films begleitet. Das war ein bisschen meine Absicht bei DIE GR├äFIN: Der Zuschauer soll sehen, was f├╝r schreckliche Dinge die Bathory tut, aber auch Verst├Ąndnis und Mitgef├╝hl f├╝r sie aufbringen. Immerhin ist sie trotz allem Horror, den sie verbreitet, ein Mensch. Ich will ├╝berhaupt nicht entschuldigen, was sie Entsetzliches getan hat, aber es war mir wichtig, ihre menschlichen Seiten zu erforschen und zu zeigen. F├╝r mich besitzt die Bathory in ihrem Wahnsinn und ihrer ganzen Boshaftigkeit etwas zutiefst Humanes. Man k├Ânnte sie mit Medea vergleichen, die ihre Kinder t├Âtet. Jedenfalls wollte ich kein eindimensionales Monster aus ihr machen.

Ist DIE GRÄFIN ein feministischer Film?

Ich wuchs mit zwei Feministen auf - meine Mutter bekannte sich dazu und noch mehr mein Vater - und ich stehe aus irgendeinem Grund definitiv auf Frauengeschichten aus weiblicher Sicht. Frauenfiguren werden oft nur eindimensional oder mit ein paar wenigen Charakterz├╝gen dargestellt. Mit DIE GR├äFIN wollte ich eine Person schaffen, die vielschichtiger ist. Sie ist wahnsinnig, aber auch zurechnungsf├Ąhig und intelligent. Sie denkt logisch und ist doch konfus, manchmal ist sie gutherzig, aber auch haarstr├Ąubend grausam. Ich finde komplexe Verhaltensmuster ├╝beraus interessant und wollte dieses Thema an der Geschichte dieser Frau ausloten. Der Film zeigt auch eine M├Ąnnerwelt mit nur einer m├Ąchtigen Frau unter ihnen, die von diesen M├Ąnnern zum Opfer gemacht wird, mit den Mitteln der Liebe und mit Machtspielchen. Selbst wenn sie stark zu sein scheint, ist sie doch auch sehr zerbrechlich. Ich habe mit einer bestimmten Richtung des Feminismus Probleme, f├╝r die Frauen grunds├Ątzlich bessere Menschen sind als M├Ąnner. Ich bin der Meinung, das h├Ąngt ganz von der Person ab. Einige Frauen sind ganz und gar nicht besser. Immerhin sind es Frauen, die in einigen L├Ąndern kleine M├Ądchen genital verst├╝mmeln. Und doch bin ich sehr f├╝r die Gleichberechtigung und f├╝r Chancengleichheit, von der wir aber fast ├╝berall auf der Welt und selbst in unseren L├Ąndern noch weit entfernt sind. Als ich zu schreiben begann, litt ich sehr unter der Vorstellung, man k├Ânnte mich auslachen, weil ich eine Frau und eine Schauspielerin und irgendwie h├╝bsch bin. Viele vermuten bei einer Frau auch nicht meine Art von Humor, vorlaut und politisch v├Âllig unkorrekt.

Sie zeigen nicht viel Blut in DIE GRÄFIN.

Nein, ich wollte ja auch keinen Horrorfilm drehen. Dazu muss man schon eine perfide Lust am Zeigen von Blut und Schmerz haben, das geht heutzutage ja schon fast ins Pornografische, zum Beispiel in Filmen wie SAW. In meinem Film benutze ich Blut immer sinnbildlich, wenn es flie├čt, muss es etwas aussagen, wie beispielsweise in der Szene, in der die Bathory sich die Haare ihres Geliebten unter die Haut n├Ąht. F├╝r mich symbolisiert diese Szene die ganze Schmerzhaftigkeit ihrer Liebe. Sie sollte auch an Jesus erinnern, wie er seine Finger in die Wunden legt, an religi├Âse Ikonen.

Hat sich das Drehbuch von der ersten bis zur endg├╝ltigen Version sehr ver├Ąndert?

Ja. Meine erste Version war viel zu konzeptuell. Urspr├╝nglich wollte ich ohne Kulissen drehen, aber dann kam DOGVILLE von Lars von Trier, und damit hatte sich das erledigt. Das Buch ist durch viele H├Ąnde gegangen, und das hat automatisch ├änderungen zur Folge. Einiges ging verloren, aber mit Sicherheit hat das Buch auch gewonnen. Andererseits kann es gef├Ąhrlich sein, wenn man im Laufe eines kreativen Prozesses zu viel ├Ąndert, dann droht Beliebigkeit. Schreiben und sofort drehen, ohne viel Aufwand oder riesiges Budget, das ist meine Idealvorstellung vom Filmemachen. Bei einem historischen Kost├╝mfilm l├Ąsst sich das aber kaum machen. Da muss man Kompromisse eingehen.

Warum haben Sie neben Drehbuchschreiben und Regief├╝hren auch noch die Hauptrolle ├╝bernommen?

In einem ganz fr├╝hen Stadium des Projekts wollte ich die Gr├Ąfin unbedingt selbst spielen, doch nach einer Weile sagte ich mir, es w├Ąre vielleicht besser, nur zu inszenieren. Und fing an, mich nach einer geeigneten Darstellerin umzusehen. Die Frauen, die einigerma├čen prominent waren, hatten jedoch Ber├╝hrungs├Ąngste mit der Rolle. Und die, die Interesse hatten, waren leider nicht bekannt genug, um die Finanzierung des Projekts zu erleichtern. Dass ich die Rolle schlie├člich selbst ├╝bernahm, bedauere ich nicht. Aber bei jedem Film muss ich das nicht haben - denn es war manchmal ganz sch├Ân anstrengend. Im Ernst, w├Ąhrend des Drehs sind mir die ersten grauen Haare gewachsen.

Wie kam die Besetzung zustande?

William Hurt ist ein Schauspieler, den ich immer sehr bewundert habe. Ich brauchte f├╝r die Rolle des Grafen Thurzo einen Darsteller mit starkem Charisma, der gleichzeitig sehr ruhig wirkt. Einen echten M├Ąnner-Mann, kalt, sehr germanisch, emotionslos, getrieben, nicht unbedingt ein Freund der Frauen. Um diese Aspekte zu betonen, habe ich Daniel Br├╝hl f├╝r die Rolle des Sohns gew├Ąhlt, denn er ist das Gegenteil des Grafen: sensibel, fast schon schwach, ein wenig kindlich, auf jeden Fall kein Playboy und durch und durch gut. Vor dem Dreh habe ich zu Daniel gesagt: Treib blo├č nicht zu viel Sport! Vom Typ her finde ich ihn einmalig. Die meisten Schauspieler in seinem Alter wirken auf mich viel zu selbstsicher und eitel, Daniel ├╝berhaupt nicht! Was die ├╝brigen Schauspieler angeht, so fand ich sie bei Castings. Als ich Anamaria Marinca traf, konnte ich kaum glauben, dass sie die Heldin aus 4 MONATE, 3 WOCHEN, 2 TAGE ist, weil sie darin ganz anders aussah. Daf├╝r wusste ich sofort, dass sie Erzebets Vertraute Darvulia spielen w├╝rde. Denn sie strahlt eine nat├╝rliche Empathie aus, die mir f├╝r diese Rolle wichtig erschien. Auch Anna Maria M├╝he habe ich vom Fleck weg engagiert. Sie besitzt eine unvergleichlich reine, zerbrechliche Aura, und ihr Gesicht ist einzigartig, manchmal erinnerte sie mich an eine Porzellanpuppe. Ich mag sie sehr. Sie ist nicht sehr lange zu sehen und hat kaum Dialoge, aber sie spielt eine der Schl├╝sselfiguren des Films: das erste Opfer der Gr├Ąfin.

Liegt es Ihnen, am Set zu improvisieren? Ist das bei einem Dreh wie DIE GR├äFIN ├╝berhaupt m├Âglich?

Auch wenn viele denken, 2 TAGE PARIS w├Ąre vollst├Ąndig improvisiert worden, muss ich sagen, dass ich mir bei DIE GR├äFIN mehr Freiheiten erlaubt habe. Was nicht hei├čen soll, dass ich nicht vorbereitet war. Aber manche Szenen konnten wir im Vorfeld nicht bis ins letzte Detail ausfeilen. Ich w├╝nschte, ich w├Ąre Alfred Hitchcock, der in dieser Hinsicht geradezu manisch war. Je besser man vorbereitet ist, desto stressloser l├Ąuft es am Set. Das ist eine Erfahrung, die ich in all den Jahren gemacht habe. Wenn es unerwartete Probleme gibt, diese kleinen Dramen, die bei keinem Dreh ausbleiben - eine Kulisse, die doch nicht so ausf├Ąllt, wie man gehofft hatte, oder Statisten, die weniger zahlreich erscheinen als geplant - reagiert man einfach gelassener. F├╝r mich ist das Geheimnis eines guten Films, dass man gen├╝gend Zeit hat, sich intensiv vorzubereiten.

F├╝r Hitchcock war die Vorbereitung eines Films die interessanteste Phase. Das Drehen an sich mochte er weniger. Wie ist das bei Ihnen?

Jeder Dreh bedeutet ├ärger und Aufregung, das stimmt. Ich glaube, ich habe nicht einen Film gemacht, bei dem es total entspannt zuging. Nie hat man genug Zeit, nie reicht das Geld! Offen gestanden empfand ich die Tage am Set von DIE GR├äFIN, an denen ich nur inszeniert habe und nicht auch noch spielen musste, als extrem angenehm. Vielleicht sollte ich mal einen Film schreiben, in dem es nur M├Ąnnerrollen gibt. Damit entfiele immerhin die Versuchung, selbst mitzuspielen. Wenn man Regie f├╝hrt und zugleich eine Rolle spielt, mangelt es einem hin und wieder am n├Âtigen Abstand, die Dinge objektiv zu beurteilen. Grunds├Ątzlich w├╝rde ich mir jedoch ein gutes Gesp├╝r daf├╝r bescheinigen, ob eine Szene funktioniert, ob sie so geworden ist, wie ich mir das vorgestellt hatte. Beim Schnitt stellt man dann nat├╝rlich h├Ąufiger fest, dass Szenen, die f├╝r sich genommen gut funktionieren, trotzdem nicht so recht ins Gesamtbild passen. Das ist die Phase, in der man das Beste aus dem Material zu machen versucht, das einem zur Verf├╝gung steht. Es f├Ąllt mir nicht schwer, Szenen, die mich nicht restlos ├╝berzeugen, rauszuschmei├čen - es sei denn, sie sind f├╝r das Verst├Ąndnis der Handlung unabdingbar. Hitchcock hatte den Schnitt seiner Filme praktisch schon vor Drehbeginn im Kopf, aber er war auch ein Genie. Davon bin ich leider weit entfernt.

Viele Schauspieler sagen, es sei angenehmer, unter Regisseuren zu arbeiten, die selbst Schauspieler sind oder waren.

Ob das auch f├╝r mich gilt, m├╝ssen Sie die Schauspieler meines Films selbst fragen. Ich kann nur sagen, dass ich sehr gut mit meinen Schauspielerinnen auskomme. Da gibt es seltsamerweise ├╝berhaupt kein Konkurrenzdenken und -gehabe. Ich bin eine Frau, die Schauspielerinnen wirklich mag und im besten Licht zeigen m├Âchte. Wenn es mal Konflikte gibt, dann eher mit den Kerlen am Set. M├Ąnnliche Darsteller sind zwar auch fragile Wesen, aber damit umzugehen, f├Ąllt mir deutlich schwerer. Letztlich lasse ich allen meinen Schauspielern die Zeit, die sie brauchen, und schenke ihnen viel Aufmerksamkeit. Denn was unterm Strich z├Ąhlt, sind das Gesicht eines Darstellers dort oben auf der Leinwand und sein Spiel. Ob das Licht perfekt ist oder die Kamerabewegungen besonders toll, empfinde ich als zweitrangig.

Was haben Sie von den Regisseuren gelernt, unter denen Sie in den letzten 25 Jahren gearbeitet haben?

Dass man gut vorbereitet sein muss. Dass man sich seiner Schw├Ąchen bewusst sein sollte. Barbet Schroeder, der ein guter Freund von mir ist, hat mal zu mir gesagt: "Ein guter Regisseur zeichnet sich dadurch aus, dass er anderen zuh├Âren kann. Denn die Menschen an einem Filmset sind in der Regel kreative Menschen. Borniertheit bringt einen da nicht weiter."

weiter lesen Ein Gespr├Ąch mit Daniel Br├╝hl

Istvan (Daniel Bruehl) bittet Erzebet um einen Tanz

Verstehen Sie sich mit Julie Delpy inzwischen schon ohne Worte?

Na ja, bei 2 TAGE PARIS hatten wir leider nur kurz das Vergn├╝gen miteinander. Aber es war eine so tolle Zeit, dass ich unbedingt noch mal mit ihr drehen wollte. Und tats├Ąchlich rief sie mich kurz darauf an und erz├Ąhlte, dass sie einen weiteren Film plane. Darin bek├Ąme ich eine gr├Â├čere Rolle, und es sei auch etwas ganz anderes als 2 TAGE PARIS. Ich sagte sofort zu. Als sie mir dann verriet, dass die Geschichte von der Gr├Ąfin Bathory handelt, war ich nat├╝rlich noch gespannter.

Kannten Sie sie?

Ja, ich habe vor einiger Zeit eine Biografie ├╝ber sie gelesen. Ich wei├č noch, dass ich dachte, man m├╝sste daraus unbedingt einen Film machen. Sehr behutsam nat├╝rlich, damit es kein billiger Splatterfilm wird, bei dem es nur um Mord und Totschlag und Blutvergie├čen geht. Das zu vermeiden, ist Julie wahnsinnig gut gelungen. Denn sie erz├Ąhlt eine ernsthafte, stimmige Geschichte ├╝ber eine interessante, merkw├╝rdige, faszinierende Frau. Julie kann einfach toll schreiben. Das Skript war eins dieser Drehb├╝cher, die man nicht zur Seite legt. Es hatte f├╝r mich keine L├Ąngen, es las sich sehr dynamisch und hier und da sogar recht modern, besa├č spannende Charaktere und war alles andere als verstaubt. Es war einfach ein rundes Drehbuch. Und f├╝r mich fiel nebenbei noch eine sehr sch├Âne Rolle ab. Deswegen habe ich sehr schnell zugesagt.

Wie w├╝rden Sie Ihre Rolle beschreiben?

Was ich so toll finde an diesem Buch, ist, dass es keine eindeutig positiven oder negativen Figuren gibt. Jeder hat sein Geheimnis, jeder seine dunkle Seite. Meine Figur auch. Trotzdem w├╝rde ich sagen, dass Istvan Thurzo im Personengef├╝ge des Films ein positiver Charakter ist, ein junger Mann mit romantischen Gef├╝hlen. Er verliebt sich zum ersten Mal in seinem Leben so richtig - und dann gleich in diese ├Ąltere Frau. Aber sein Vater trennt die beiden, weil die Verbindung nicht sein darf. Das Gro├čartige f├╝r mich war, dass ich verschiedene Phasen im Leben dieser Figur spielen durfte. Wir lernen Istvan als 20-j├Ąhrigen kennen, dann wird er von Erzebet getrennt, kehrt sp├Ąter noch einmal zur├╝ck, da ist er von seinem Vater aber schon so weit umerzogen und indoktriniert worden, dass er in dessen Auftrag beweisen soll, dass sie schuldig ist. F├╝r sich selbst will er allerdings auch herausfinden, ob sie diese Gr├Ąueltaten wirklich begangen hat oder nicht. Und dann ist Istvan nat├╝rlich die Figur, die die ganze Geschichte aus dem Off erz├Ąhlt.

Wie haben Sie die Dreharbeiten erlebt?

Ich drehte an wunderbaren Locations: in Burgen, Schl├Âssern und im Freien, auf Pferder├╝cken. Es ist immer sch├Âner, in Originalkulissen zu spielen als im Studio, wo alles aus Pappmach├ę und unecht ist. Weil sie eine ganz andere Aura besitzen und eine einzigartige Atmosph├Ąre verstr├Âmen. Ich war erstaunt, wie viele h├╝bsche Burgen es im Osten Deutschlands gibt und wie toll sie erhalten sind.

Was f├╝r eine Regisseurin ist Julie Delpy?

Sie ist ungeheuer sensibel und ohne diese Attit├╝den, die manche Regisseure an den Tag legen. Sie l├Ąsst auch nicht den Chef raush├Ąngen, sie war ganz cool bei der Sache. Als Schauspielerin wei├č sie au├čerdem, wie sie mit Schauspielern reden muss. Und nebenbei hat sie einen gro├čartigen Sinn f├╝r Humor, das finde ich total wichtig. Und das macht die Arbeit mit ihr so angenehm. Selbst bei den tollsten Drehb├╝chern gibt es immer wieder Momente, wo man vor der Kamera steht und sp├╝rt, hier stimmt etwas nicht, das l├Ąsst sich nicht sprechen, irgendwie ist es nicht stimmig. Das kam selten vor, aber in diesen Situationen war sie total flexibel und hatte schnell gute L├Âsungen parat. Obwohl es uns Schauspielern nicht erlaubt war, habe ich manchmal heimlich auf den Monitor geguckt, und was ich da sah, wirkte ganz toll. Ich war total begeistert von der Arbeit des Kameramanns Martin Ruhe.

Wie f├╝hlte es sich an, in Kost├╝men zu spielen?

F├╝r mich war das ein weiteres Highlight des Films. Pierre-Yves Gayraud hat unglaubliche Kunstwerke hergestellt. Zum Teil aus alten Stoffen - 100 oder 150 Jahre alte Gardinen oder Kleider, die er umgeschneidert hat. Das sah ├╝berhaupt nicht verkleidet aus. Es passte zu uns und sa├č wie angegossen. Kost├╝me helfen dabei, solche historischen Rollen zu spielen. Weil man sich ganz anders bewegt; auch die Stiefel, die man tr├Ągt, sorgen gleich f├╝r einen anderen Gang. Ich f├╝hlte mich sehr wohl darin. F├╝r die Frauen war es wahrscheinlich unangenehmer, mit all diesen Korsetts und eng geschn├╝rten Kleidern. Wenn es Mittagessen gab, sah man sie immer nur mit einem Sch├Ąlchen Salat, mehr w├Ąre bei den Kost├╝men auch nicht drin gewesen. Da hatten wir M├Ąnner es schon leichter.

DIE GRÄFIN ist nicht der erste Film, den Sie auf Englisch drehen. Empfinden Sie das immer noch als eine Herausforderung?

Bei diesem Film gab es sogar eine doppelte Problematik. Er spielt ja in einer fr├╝heren Epoche, und da denkt man automatisch, man m├╝sste anders reden. Au├čerdem wollte ich versuchen, wie William Hurt zu klingen, weil wir nun mal Vater und Sohn spielen. William war sehr nett und n├Ąherte sich seinerseits meinem Akzent an. Manchmal hatte ich Angst, dass er am Ende deutscher klingt als ich.

Wie war die Zusammenarbeit mit ihm?

Spannend. Ich habe seine Filme so h├Ąufig gesehen, insbesondere die, als er noch j├╝nger war und h├Ąufig etwas Gef├Ąhrliches, Unnahbares hatte. Da denkt man dann, Person und Figuren w├Ąren deckungsgleich. Als ich mit ihm probte und drehte, wirkte er tats├Ąchlich genau so. Ich glaube, er genoss es, mitunter jenseits der Kamera in seiner Rolle zu bleiben. Man wusste nie, was kam. Er konnte einen ├╝berraschen und Dinge erz├Ąhlen, die einen perplex machten. Und dann gab es den privaten William Hurt am Billardtisch in unserem Hotel, wo er deutlich entspannter war. Wir tranken Bier, spielten Poolbillard - und ich lie├č ihn gewinnen. Dabei sind wir uns schon n├Ąher gekommen.

JULIE DELPY   DANIEL BR▄HL   WILLIAM HURT


  1. "Sorgfńltig inszeniertes, atmosphńrisch dichtes Historiendrama" Abendzeitung
  2. "Bis in die Nebenrollen fabelhaft besetzt" Berliner Zeitung
  3. "DŘsteres Drama um Liebe, Triebe und Intrigen. Mit einer glńnzenden Julie Delpy, die zeigt, dass sich in unserer Welt nichts verńndert hat." BILD
  4. "Gro▀artig und eindrucksvoll" K÷lner Stadt-Anzeiger
X Edition DVD | DIE GR─FIN - Die Wahre Geschichte der Erzebet Bathory

X VERLEIH prńsentiert eine X FILME INTERNATIONAL und Celluloid Dreams Produktion JULIE DELPY DANIEL BR▄HL WILLIAM HURT ANAMARIA MARINCA SEBASTIAN BLOMBERG Drehbuch JULIE DELPY Kamera MARTIN RUHE KostŘmdesign PIERRE-YVES GAYRAUD Schnitt ANDREW BIRD Szenenbild HUBERT POUILLE Casting ANJA DIHRBERG Musik JULIE DELPY Ko-Produzent HENGAMEH PANAHI Produzenten MATTHEW CHAUSSE CHRISTOPHER TUFFIN Executive Producers SKADY LIS CHIRISTIAN BAUTE CHRIS COEN MARTIN SHORE GORDON STEEL Associate Producers STEFAN ARNDT MANUELA STEHR NORBERT PREUSS Eine Koproduktion mit X FILME CREATIVE POOL EMC PRODUKTION und FANES FILM in Zusammenarbeit mit SOCIAL CAPITAL FILMS Eine DeutschľFranz÷sische Koproduktion mit UnterstŘtzung von MITTELDEUTSCHE MEDIENFÍRDERUNG MEDIENBOARD BERLIN-BRANDENBURG FILMFÍRDERUNGSANSTALT/MINITRAIT╔ NATIONAL CENTER OF CINEMA, FRANCE FRENCH MINISTRY OF CIULTURE AND COMMUNICATION und DEUTSCHER FILMFÍRDERFONDS Produziert von ANDRO STEINBORN Regie JULIE DELPY

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